Resonanzräume und Resonanzlinien

Ein Bild in pastelligen Farben mit vielen bunten Geschlechtsteilen, die auf den ersten blick nicht auffalenn, aber beim zweiten Hinblicken dann doch nicht zu übersehen sind

Museumsbuchhandlungen sind eines meiner Guilty Pleasures: Ich kann nur sehr schlecht aus einem Museum, das mich berührt hat, gehen, ohne ein Buch mitzunehmen. Diesmal war es »Klimaresonanz« von Christoph Thun-Hohenstein. In diesem Buch argumentiert Thun-Hohenstein, dass man Klimamaßnahmen schmackhaft für die Menschen machen müsste, weil sie sonst nie umgesetzt werden. Diese These beschreibt er umfassend und in einer ebenso positiven Sprache. Ich bin bei einigen Thesen nicht ganz seiner Meinung, aber der Standpunkt, dass wir mehr Qualität und weniger Quantität in unseren Konzepten für Digitalität, Konsum und Gesellschaft benötigen, ist nicht zu bestreiten.

Besonders spannend – und ein großer Teil seiner These – ist jedoch etwas noch viel Spannenderes: nämlich die »Resonanz«. Und er meint damit nicht die Bestätigung durch Follower oder ein Medienecho, sondern eine Resonanz im Sein – ein Im-Einklang-Sein mit etwas. Diese Resonanz, dieser Einklang, ist essenziell, um innerhalb unserer planetaren Grenzen und damit klimaresonant zu sein. Ein wichtiger Punkt, der oft nicht mitgedacht wird, ist, dass Resonanz eben nicht immer gelingen kann und es daher neuer Strategien bedarf, um bei Nichtgelingen neue Resonanzräume zu öffnen.

Meiner Meinung nach ist diese Resonanz mit einer Gruppe, einer Person, den eigenen Bedürfnissen und Wünschen wiederum essenziell, um mit der Umwelt, dem Klima in Resonanz sein zu können.

Und nun kommen wir zur Digitalität, die unsere Aufmerksamkeit und damit unsere Resonanz fragmentiert. Auch hier stimme ich Thun-Hohenstein zu, dass die Defragmentierung dieser Aufmerksamkeitsökonomie wahrscheinlich am besten die Kultur übernehmen könnte – wie das Künstler*innen-Kollektiv Superflux gerade im Museum der Welt in Wien zeigt. Die Ausstellung präsentiert Exponate, die uns zur Natur führen und nicht von ihr weg.

Kultur kann also Wege zur Defragmentierung unserer Aufmerksamkeit schaffen, indem sie Resonanzräume bietet, die im Alltag nicht zu finden sind. Und somit einen immensen Beitrag dazu leisten, unsere Demokratie-, Kooperations-, Resonanz- und Resilienzfähigkeit zu stärken und zu erhalten.


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