Heute endet das Filmfest in München und obwohl, diese Woche tatsächlich sowieso schon sehr voll war, habe ich mir für 3 Filme Zeit genommen, was sich sehr gelohnt hat.
- 23.000 Leben: Hier wird die Geschichte der Iuventa-Crew/Jugend-Rettet erzählt, die von 2016 bis 2017 auf dem Mittelmeer als zivile Seenotretter:innen aktiv waren. 2017 wurde ihr Schiffe von den italienischen Behörden festgesetzt und erst 2024 erhielt die Crew ihr Schiff -inzwischen total verrostet- zurück. Der Film wurde von Netflix produziert und wird dort auch zeitnah anlaufen. Die ersten 30 Minuten sind ein sehr fröhlicher und naiver Einstieg in diese sehr dunkle Seite der europäischen Außengrenzen und die menschlichen Dramen und Abgründe, die sich bei dieser Thematik automatisch öffnen. Dies wird allerdings zur Mitte und zum Ende hin deutlicher und die anfangs befürchtete Oberflächlichkeit verblasst und was bleibt ist Entsetzen, Trauer und die Frage, wie wir das überhaupt zulassen können, dass junge Menschen Menschen retten und dann 7 Jahre vor Gericht kämpfen müssen, um nicht im Gefängniss zu landen. „Unsere Geschichte wird jetzt in einem Netflix-Film erzählt – sie endete mit einem Freispruch. Doch jedes Jahr werden in Italien Hunderte Schutzsuchende mit der gleichen Anklage tatsächlich zu Haftstrafen verurteilt, nur weil sie auf der Flucht das Boot gesteuert haben. Ihre Geschichten kennt kaum jemand. Das muss sich ändern“,
sagt Sascha Girke, Teil der Iuventa-Crew und einer der Angeklagten. - Teenage Sex and Death at Camp Miasma (2026): Eine junge Regisseurin will ein ehemaliges »Final Girl« für die Neuauflage eines Horrorfranchises zurückgewinnen. Jane Schoenbrun verhandelt queere Sehnsüchte und die identitätsstiftende Kraft popkultureller Fantasiewelten und macht dabei alles genau richtig. Mein klarer Favorit 🙂 Warum? Weil es ein Splattermärchen ist, indem Snacks, Leichtigkeit und Genuss die wichtigsten Element sind. Es beginnt beim Snackeinkauf zum Videoabend, geht über das erste Dinner bei dem Pommes in die silbernen Saucerie serviert werden und der Dip erste sexuelle Interessen zwischen den beiden Darsteller*innen vermuten lässt. Alles an dem Setting des Films in einem alten Drehort des Splatter-Franchises »Camp Miasma« ist so herrlich verschroben, leicht und sureal, dass es eine wahre Freude ist. Außerdem scheint es so, als ob die Szenerie auch eigenhändig für die Hauptdarstellerin Hannah Einbinder angefertigt worden ist. Denn während sie in ihrer Rolle als aufstrebende queere Filmemacherin ihre eigene Welt erschaffen möchte, erschafft sie diese als Schauspielerin auf der Leinwand schon längst für die Zuschauer. Und auch wenn ich eigentlich wegen Gillian Anderson den Film sehen wollte, wird erst so richtig sehenswert durch Hannah Einbinder.
- Nino dans la Nuit: Wir gegen den Kapitalismus. Der Film von Laurent Micheli und Clara Bourreau ist weniger leicht und stellt ganz klar die Systemfrage, denn seine Protagonist*innen Nino, Lale, Charlie und Malik, sind vor allem eins: arm. So versuchen sie sich durch Jobs als Fahrer*innen, Verkäufer*innen und Dealer in Paris über Wasser zu halten und scheitern immer wieder schmerzhaft und nachvollziehbar an einem Gesellschaftssystem, das für sie kein Glück oder Aufsteig vorgesehen hat. Bis Nino durch einen Schmuggeljob als Modell entdeckt wird – und einen Einblick in die Welt der Reichen und Schönen erhält, der ihm aber weniger gut gefällt, wie man annehmen würde. Der Film nimmt eine mit auf Reise mit Menschen in einen Alltag, in dem Menschlickeit und Würde die größte Rolle spielen. Und das möchte der Film auch transportieren.

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